Verlängerung der Regelstudienzeit endlich auch in Thüringen beschlossen!

In der gestrigen Plenarsitzung hat der Thüringer Landtag das „Zweite Thüringer Gesetz zur Umsetzung erforderlicher Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie (2. ThürCorPanG)“ (sog. Mantelgesetz) verabschiedet. Teil des Gesetzes ist das „Thüringer Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Corona-Pandemie im Hochschulbereich (ThürCorHG)“, welches endlich auch eine Verlängerung der individuellen Regelstudienzeit vorsieht. Die wichtigsten Inhalte im Überblick:

§ 6 ThürCorHG: Verlängerung der individuellen Regelstudienzeit
„Für die im Wintersemester 2020/21 oder im Sommersemester 2021 in einem Studiengang immatrikulierten und nicht beurlaubten Studierenden gilt eine von der Regelstudienzeit abweichende, für jedes dieser Semester um ein Semester verlängerte individuelle Regelstudienzeit.“ – eure individuelle Regelstudienzeit verlängert sich demnach um bis zu zwei Semester! Daran angeknüpft verschieben sich auch die Fristen für die Erbringung von fachsemestergebundenen Studien- und Prüfungsleistungen und die Gebührenpflicht für Langzeitstudiengebühren entsprechend.
Wichtig: Solltet ihr bereits einen Antrag auf Nichtanrechnung des Wintersemesters 2020/21 nach § 52 Abs. 5 ThürHG an eurer Hochschule beantragt haben, gilt der Satz 1 nicht für euch. Ebenso verhält es sich, wenn ihr einen solchen Antrag für das SoSe 2021 stellt. Im Hinblick auf die Regelungen der anderen Länder ist davon auszugehen, dass es bei einer Nichtanrechnung eines Semesters eher zu Problemen mit dem BAföG und ähnlichen Unterstützungen kommt als bei einer Verlängerung der Regelstudienzeit. Außerdem geschieht diese Verlängerung im Gegensatz zur Nichtanrechnung nach § 52 Abs. 5 ThürHG automatisch.
Sollte die Pandemie fortdauern, kann die Verlängerung der individuellen Regelstudienzeit durch das Ministerium entsprechend auf weitere Semester ausgedehnt werden.

§ 7 ThürCorHG: Nachholung von Studien- und Prüfungsleistungen
Wenn ihr im WiSe 2020/21 im letzten Fachsemester seid, aber Prüfungen nicht rechtzeitig vor Semesterende aufgrund von Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie erbringen konntet, könnt ihr sie auf Antrag bis zum 30. September 2021 ohne Studierendenstatus nachholen, sofern ihr im WiSe 2020/21 schon fristgerecht für die Prüfung angemeldet gewesen seid. Analog dazu gilt dies auch für Studierende im SoSe 2021; sie können Prüfungsleistungen bis zum 31. März 2022 ohne Studierendenstatus nachholen.

§ 9 ThürCorHG: Sonderregelungen zu Gebühren bei Regelstudienzeitüberschreitung
Die Gebühr für das Sommersemester 2020 wird hinausgeschoben. Für das SoSe 2020, das WiSe 2020/21 und das SoSe 2021 wird sie erlassen. Sollte sie für eines der Semester schon anderweitig hinausgeschoben worden sein (z.B. durch die Regelstudienzeitverlängerung oder Absatz 1), greift die Regelung nicht doppelt. Sollte die Pandemie fortdauern, kann dieser Absatz auch durch das Ministerium entsprechend auf weitere Semester ausgedehnt werden.

In den nächsten Wochen werden diese Vorgaben von den Hochschulen umgesetzt werden. Mit der rückwirkenden Verlängerung der Regelstudienzeit um das WiSe 2020/21 ergeben sich ggf. neue Situationen bei denjenigen von euch, die BAföG oder andere an die Regelstudienzeit geknüpfte Unterstützungen erhalten. Bei Fragen wendet euch zuerst an eure Hochschule und an das Studierendenwerk, ansonsten aber auch gerne an eure Studierendenvertretung oder an uns!

PM: Über 80 Personen stundenlang in einem Hörsaal – Präsenzprüfungen trotz Corona

Konferenz Thüringer Studierendenschaften fordert Schnelltests vor jeder Präsenzklausur

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wurden in Thüringen kürzlich um eine weitere Woche verlängert. Das oberste Gebot lautet seit Monaten: Kontakte soweit es geht einschränken und Begegnungen auf das absolut Nötigste reduzieren. Anders sehen das einige Hochschulen und das Landesprüfungsamt in Bezug auf die gerade begonnenen Prüfungen, unter anderem zum Staatsexamen. Die Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS) fordert deshalb, die Anzahl der geplanten Präsenzprüfungen weiter zu reduzieren und dort, wo keine andere Form vorstellbar ist, die Schutzmaßnahmen zu erhöhen, vor allem durch Schnelltests für alle Beteiligten vor Beginn der jeweiligen Prüfung.

Seit spätestens Anfang Dezember absolvieren die Thüringer Studierenden wieder ein überwiegend reines Online-Semester. Die Maßnahmen zur Kontaktreduktion verlangen Studierenden und Lehrenden einen Mehraufwand ab, sie sind jedoch in der aktuellen pandemischen Situation alternativlos. Anders verhält es sich offenbar mit den anstehenden Prüfungen. Hier planen sechs von zehn Thüringer Hochschulen teilweise in größerem Umfang Präsenzprüfungen. Bei manchen davon handelt es sich um praktische Prüfungen, die Material vor Ort benötigen und deshalb nicht online durchführbar sind – die jedoch im Gegenzug oftmals in Kleinstgruppen oder 1:1 abgenommen werden können und selten länger als 30 Minuten dauern.

Eine Ausnahme stellen unter anderem die Prüfungen des Staatsexamens dar. Diese sind als schriftliche Präsenz-Klausuren konzipiert und dauern vier Stunden. Verantwortlich für die Durchführung ist nicht die Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU), an der die angehenden Lehrer*innen studieren, sondern das Landesprüfungsamt. Dieses hat die Prüfungsabläufe konzipiert und hält an der bisherigen Konzeption fest. In den kommenden fünf Wochen schreiben über 100 Lehramtsanwärter*innen zwei oder mehr Prüfungen mit wechselndem Personenkreis und treffen so auf insgesamt rund 370 andere Prüfungskandidat*innen.

Auch in anderen Studiengängen und an anderen Hochschulen werden noch Klausuren in Präsenz geplant – eine Schutzstrategie abseits von Maskenpflicht und Abstand gibt es bisher nicht. So können die Studierenden das Virus potenziell nicht nur in einer Prüfung „verteilen“, sondern auch noch von einer in die andere Prüfung tragen. Freiwillige Quarantäne vor einer Prüfung ist häufig keine Option: Wer mehrere Klausuren schreibt, würde somit wegen einer Prüfung den Rest der Klausuren verpassen. Eine behördliche Quarantäne-Anordnung kann auch dazu führen, dass an Präsenzprüfungen flächendeckend nicht teilgenommen werden kann. Falls ein Corona-Fall in einem Prüfungssaal auftritt, könnte dies – je nach Entscheidung der Gesundheitsämter – vielen Studierenden das Ablegen weiterer Prüfungen unmöglich machen.

„Diese Problematik ist seit mehreren Wochen bekannt. Die Hochschulen kennen die Teilnahmezahlen der einzelnen Lehrveranstaltungen und die Anmeldezahlen zu den Prüfungen. Wir kritisieren scharf, dass dennoch nicht überall auf Alternativen eingegangen wird“, umreißt Scania Sofie Steger, studentische Senatorin der FSU, das Problem. Die Durchführung der Prüfungen unter den derzeitigen Vorgaben hält die KTS für unverantwortlich. „Es ist blanker Hohn, dass nun ernsthaft damit argumentiert wird, dass die jetzige Prüfungskohorte durch Online- oder Take-Home-Klausuren nicht bevorteilt werden dürfe. Die rechtliche Möglichkeit, die Prüfungen in Präsenz abhalten zu können, sollte nicht das einzige Kriterium sein. Mit dem aktuell geplanten Ablauf provoziert man einen riesigen Infektionsherd und bringt unnötigerweise zahlreiche Studierende, Lehrende und deren Angehörige in Gefahr“, kritisiert Hannah Schneider, Sprecherin der KTS, das Vorhaben.

Mehrere Stellen haben bereits Forderungen an die Hochschulen und das Landesprüfungsamt formuliert, denen sich die KTS an dieser Stelle nachdrücklich anschließt: „Wo irgend möglich soll auf Präsenzprüfungen verzichtet werden. Ist dies aus guten Gründen nicht möglich, müssen Corona-Schnelltests bei allen Prüfer*innen und Studierenden vor jeder einzelnen Prüfung durchgeführt werden. Außerdem müssen die Teilnehmer*innen auch bei augenscheinlich ausreichenden Platzkapazitäten auf mehrere Räume verteilt werden und dabei darauf geachtet werden, dass soweit möglich die gleichen Studierenden ihre Prüfungen zusammen ablegen, um unnötige Begegnungen zwischen verschiedenen Studierenden und Prüfer*innen weiter zu reduzieren. Die kostenlose Bereitstellung von FFP2-Masken für alle an der jeweiligen Prüfung Beteiligten sollte selbstverständlich sein“, fasst Hannah Schneider die Forderungen zusammen.

Zudem sollten angemessene Nachteilsausgleiche geschaffen werden: Die dringend empfohlene FFP2-Maske soll gemäß DGUV-Regel 112-190 für maximal 75 Minuten am Stück getragen werden. Dies wird während der Prüfungen meist deutlich überschritten. Hier sollten nach Möglichkeit Prüfungsdauer und -umfang angepasst werden. Zusätzlich müssen Ersatztermine für die Studierenden, die durch eine Quarantäne-Anordnung oder einen (falsch-)positiven Schnelltest nicht an den Prüfungen teilnehmen können, noch in diesem oder zu Beginn des Folgesemesters geschaffen werden. Damit sollen weitere Verzögerungen in der Studiendauer präventiv verhindert werden.

„Ohne eine Teststrategie im Vorfeld der jeweiligen Prüfung und der damit einhergehenden größtmöglichen Sicherstellung, dass sich keine corona-positiven Personen mehrere Stunden lang in einem Prüfungsraum aufhalten, halten wir die Prüfungen nicht für vertretbar“, betont Martin Schmidt, Sprecher der KTS. Das TMBJS, an das das Landesprüfungsamt angegliedert ist, und die Thüringer Hochschulen werden aufgefordert, schnellstmöglich den Forderungen nachzukommen.

PM „Schlusslicht: Thüringen hält trotz Corona an der Regelstudienzeit fest

Ministerium verweigert pauschale landesweite Lösung für die Thüringer Hochschulen

Als einziges Bundesland verweigert Thüringen die Verlängerung der Regelstudienzeit aufgrund der Corona-Pandemie. Obwohl viele verpflichtende Studienmodule ausfallen und die Arbeitslast in der Online-Lehre stark erhöht ist, erhalten Studierende keine pauschale Möglichkeit, den zusätzlichen Zeitaufwand durch ein längeres Regelstudium auszugleichen. Deshalb fordert die Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS) eine Verlängerung der Regelstudienzeit auch für Thüringer Studierende.
Die Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf das universitäre Lernen: Trotz Umstellung auf Online-Lehre, fielen im letzten Sommersemester und in diesem Wintersemester viele Grundlagenkurse, wie chemische und physikalische Laborpraktika, medizinische und psychologische Übungen, Sportkurse sowie geografische Exkursionen und Berufspraktika aus. Das fehlende Lehrangebot macht ein Studium in der vorgesehenen Zeit in vielen Fachbereichen unmöglich.
Auch wenn Lehrveranstaltungen stattfinden, ist das Arbeitspensum durch das selbstständige Erarbeiten der Lerninhalte stark gestiegen. Zusätzliche Anforderungen und die heterogene Lehrqualität stellen viele neue Ansprüche an die Studierenden – hinzu kommen pandemiebedingte Stressoren, wie sich verschlechternde Berufsaussichten, fehlende soziale Kontakte und finanzielle Sorgen. „All diese Faktoren stehen einem erfolgreichen Studium in der bisherigen Regelstudienzeit entgegen“, betont Martin Schmidt, Sprecher der KTS.
Die Verlängerung der Regelstudienzeit wirkt sich außerdem auf die Studienfinanzierung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) und durch Stipendiengeber aus. Eine pauschal verlängerte Regelstudienzeit verringert den Verwaltungsaufwand für Studierende und Ämter, insbesondere jetzt, da eine große Antragswelle durch diejenigen, deren Bewilligungszeitraum Ende März abläuft, zu erwarten ist.
Dass eine Verlängerung der Regelstudienzeit möglich und nötig ist, zeigt der Rest Deutschlands: Nach einer Recherche des fzs e.V. (freier zusammenschluss von student*innenschaften) haben alle übrigen Bundesländer eine Verlängerung der Regelstudienzeit auf Landesebene verabschiedet oder planen dies. Das Thüringer Wissenschaftsministerium (TMWWDG) verweist stattdessen seit Monaten auf individuelle Regelungen der Thüringer Hochschulen. Diese sind jedoch nicht flächendeckend umgesetzt. An Hochschulen mit derartigen Regelungen liegt zudem die Beweislast bei den Studierenden und nur im Einzelfall wird eine Regelstudienzeitverlängerung anerkannt. Hannah Schneider, Sprecherin der KTS, kritisiert: „Wie soll man erhöhte Arbeitsbelastung oder Stress dezidiert nachweisen? Gerade diese Aspekte werden von den Hochschulen und der Politik wenig beachtet.“
Die KTS beruft sich auf den Entwurf zum zweiten Corona-Mantelgesetz, wonach „aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen für alle Studierenden Verzögerungen im Studienverlauf des Sommersemesters 2020 und Wintersemesters 2020/21 eintreten“. Scania Sofie Steger, Senatorin der Friedrich-Schiller-Universität Jena, resümiert: „Das Bewusstsein für die Problematik ist da, es fehlt die entschlossene Umsetzung.“

Die jeweils aktuell gültigen Regelungen hat der fzs auf seiner Homepage gesammelt: https://www.fzs.de/2020/12/18/anpassungen-der-regelstudienzeit-aufgrund-der-corona-pandemie-in-den-bundeslaendern-ein-ueberblick/

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